Friedenspädagogik
Leitartikel zur Friedenspädagogik für forum-schule-heute Päd. Zeitschrift für die Schule in Südtirol
Friedenserziehung und Friedenspädagogik - Wo kann man mehr lesen?
Kann man Frieden lernen?
Frieden entsteht nicht durch einen Beschluss. Wir verstehen unter Frieden einen gesellschaftlichen und politischen Prozess, der von dem Bemühen um Interessensausgleich, um Gerechtigkeit, um Teilhabe aller an den Entscheidungen, die sie betreffen, und um die Anerkennung des Rechts aller Menschen auf Leben und auf Identität gekennzeichnet ist. Wir beziehen uns in diesem Verständnis von Frieden auf das von Dieter Senghaas entworfene Konzept des "zivilisatorischen Hexagon". In dem von uns mit herausgegebenen Band zur Friedenspädagogik steht ein Artikel von Dieter Senghaas zum "zivilisatorischen Hexagon" mit gutem Grund ganz am Anfang.
Es ist einleuchtend, dass in solchen Bemühungen um Friedensaufbau Bildungs- und Lernprozesse eine Rolle spielen. Konstruktive Konfliktbearbeitung will gelernt sein. Wissen über die Zusammenhänge von Gewalteskalation, über Konfliktursachen, über die Grundlagen für Frieden, aber auch über das Entstehen eigener Weltbilder muss sich aufbauen. Der Glaube an die Wirksamkeit von Gewalt muss abgelöst werden von der Überzeugung - und der Erfahrung - , dass gewaltfrei erreichte Vereinbarungen möglich und dauerhafter sind. Es geht darum, eine Friedenskultur zu schaffen, so nennt es die UNESCO. Im zweiten Artikel der oben erwähnten Veröffentlichung beschreibt Christoph Wulf deshalb Friedenserziehung als unverzichtbaren Bestandteil im weltweiten Bemühen um eine Friedenskultur.
Was ist Friedenspädagogik?

Friedenspädagogik umfasst:
- Das Lernen über den Frieden, zum Beispiel:
Was wird genau gemacht, um in Afghanistan Frieden aufzubauen? Wie wird das von einheimischen Politikern, von Frauenorganisationen, von Friedensgruppen beurteilt? Was kostet die Unterstützung für Landwirtschaft, was kostet die Präsenz der Bundeswehr?
Aber auch: Woran merken wir, wenn über Religionsgemeinschaften Vorurteile verbreitet werden?
- Das Lernen für den Frieden, zum Beispiel:
Welche Schritte sind hilfreich und notwendig, um Streitenden zu Vereinbarungen zu verhelfen? Wie kann ich Ärger und Kritik äußern, ohne dass mein Gegenüber sich tief verletzt fühlt?
Aber auch: was hilft gegen Vorurteile?
- Das Lernen (und Lehren) „mit friedlichen Mitteln", zum Beispiel:
Wie schaffen wir in der Lerngruppe - beispielweise in der Schulklasse - eine gute Atmosphäre, in der niemand ausgegrenzt, ausgelacht oder beleidigt wird?
Friedenserziehung und Friedenspädagogik
Friedenserziehung meint meistens eher die Praxis: die Projekte, die Seminare, Aus- und Fortbildung. Friedenspädagogik bezieht sich eher auf die Theorie über dieses Lernen, auf die Konzepte und den theoretischen Hintergrund.
Bei einem Festakt anläßlich des 50jährigen Bestehens der Studiengesellschaft für Friedensforschung (September 2008) hat Renate Grasse einen Vortrag gehalten zum Thema: 50 Jahre Friedenspädagogik. Sie konzentrierte sich dabei auf das, was jeweils als Kernziel von Friedenserziehung begriffen wurde und beschrieb die Entwicklung von der "Friedensgesinnung" über die "Friedensfähigkeit" bis zum heutigen Selbstverständnis von Friedenspädagogik als Teil des Bemühens um eine umfassende Friedenskultur.
Wo kann man mehr lesen?
Eine neue Publikation zur Friedenspädagogik ist im September 2008 im Rowohlt-Verlag erschienen. Renate Grasse, Mitarbeiterin der AGFP, ist eine der HerausgeberInnen. Im Ankündigungstext heißt es:
Bildung und Erziehung haben Schlüsselfunktionen bei der Entwicklung demokratischer Gesellschaften und eines gewaltfreien Zusammenlebens. Anhand konkreter Themen zeigt der Band auf, was Friedenspädagogik heute zu einer lebenswerten und lebensfähigen (Welt-)gesellschaft beitragen kann.
Die Beiträge diskutieren die Herausforderungen für Friedenserziehung im aktuellen nationalen wie internationalen, politischen wie gesellschaftlichen Bezugsrahmen. Dabei wird Friedenserziehung als unverzichtbares Element von Friedenskultur gesehen. Die Notwendigkeiten und Chancen ihrer Umsetzung werden anhand zentraler Themenfelder wie Feindbildkonstruktionen, Umgang mit Vergangenheit und die Dynamik sozialer Konflikte reflektiert. Des weiteren wird die Weiterentwicklung von Friedenserziehung gerade auch in ihrer internationalen Dimensionen sowie ihre stärkere fachwissenschaftliche Verankerung angemahnt."
Das Buch kann über den Buchhandel erworben werden.






