Demokratische Bildung

 
 

Grundlage unserer demokratischen Bildungsarbeit ist der „entgrenzte Politikbegriff“. „Politik“ beschränkt sich demnach nicht auf die Institutionen, die Verfahren oder die Repräsentant_innen des Politikbetriebs, sondern wird verstanden als Regelung von grundlegenden Fragen und Problemen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in allen Bereichen. So kommen auch zwischenmenschliche Aushandlungsprozesse über Werte und Normen in Familie, Schule, Arbeitsumfeld oder im öffentlichen Raum in den Blick.

Das formale Wissen über demokratische Institutionen und die persönlichen Kompetenzen und Erfahrungen in einer demokratischen Gesellschaft sind zwei Seiten einer Medaille: wo demokratische Beteiligung nicht möglich ist, kann sie auch nicht gelernt werden. Daraus ergeben sich für uns spezifische Ansätze hinsichtlich pädagogischer Haltung und Herangehensweise in der praktischen politischen Bildungsarbeit.

Demokratische Bildung in der Friedenspädagogik
Angebote

In Workshops setzen sich Jugendliche oder Fachleute aus der Bildungs- und Sozialarbeit mit demokratischen Aushandlungsprozessen, ebenso wie mit Wirkungsweisen von Ausgrenzung auseinander. Wir beschäftigen uns sowohl mit der gesamtgesellschaftlichen Dimension feindseliger Einstellungen, als auch mit den unterschiedlichen Ausprägungen davon im eigenen Umfeld. Die Theorie der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ dient dabei als Grundlage zur Erfassung und Beschreibung dieser Einstellungen. Ergänzt mit einer machtkritischen Perspektive können globale und lokale Zusammenhänge reflektiert werden.

 

In unseren Bildungsangeboten knüpfen wir u.a. an (re)produzierte Inhalte von Ausgrenzung und Ablehnung in Kulturprodukten wie Film, Fotografie, Streetart oder Musik an. Jugendliche setzen sich dabei nicht nur als Konsument*innen „heimlicher“ Botschaften mit diesen Inhalten auseinander, sondern haben auch als Produzent*innen die Möglichkeit die Reflexion in einem aktiven Gestaltungsprozess fortzusetzen.

 

Unsere Bildungsformate umfassen neben individuellen Workshops auch Aktionsräume und Ausstellungen mit vertiefendem Begleitprogramm. Unsere Erfahrungen teilen wir gerne mit Pädagog*innen anderer Einrichtungen: wir beraten und begleiten bei der Planung oder Durchführung von Projekten in Ihrem Wirkungskreis.

 
 

Politische Jugendbildung will den positiven Wert einer demokratischen Haltung erfahrbar machen und die notwendigen Kompetenzen für demokratisches Denken und Handeln vermitteln. Dabei sind Haltung und Herangehensweise oftmals wesentlicher als die Inhalte.

 

Wir verstehen unsere Angebote als Rahmen, in denen Impulse gesetzt werden und kritische Auseinandersetzung ermöglicht wird. Sie sind in einem hohen Maß von Partizipation durch die Teilnehmenden geprägt. Dazu gehört auch, dass wir uns in der Rolle als politische Bildner*innen als Teil des Bildungsprozesses verstehen. Bildung verstehen wir dementsprechend nicht als einseitigen Prozess, im Sinne einer Inhaltsvermittlung, sondern als Prozess in dem wir miteinander und voneinander lernen. Entsprechend eines solchen Bildungsverständnisses ist die Orientierung an der Lebenswelt der Zielgruppe leitendes Prinzip für uns. Das trägt dazu bei, dass Teilnehmende leicht anknüpfen können und darüber hinaus als Expert*innen ihrer Lebenswelt am Diskurs teilnehmen können.

Haltung
 
Die Pastinaken

Die Pastinaken verstehen sich als ein Kollektiv (junger) politischer Bildner_innen, welches von den Wissens- und Erfahrungsschätzen der einzelnen Mitglieder lebt und sich ständig durch interne und externe Impulse (fort)bildet. Die einzelnen Pastinaken haben unterschiedliche fachliche, universitäre und berufliche Hintergründe und sind an verschiedenen Stellen in der Münchner Gesellschaft beruflich und ehrenamtlich aktiv. Bei ihrer ehrenamtlichen Bildungsarbeit werden die Pastinaken von einer Koordinierungsstelle der AGFP strukturell und inhaltlich unterstützt und begleitet.
 

Grundanliegen der Angebote sind die Eröffnung von Diskursräumen und die Erfahrbarkeit demokratischer Werte, Normen und Handlungskompetenzen. Dazu gehört die Reflexion gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse, sowie eine Sensibilisierung bezüglich Ausgrenzungsmechanismen. Der jeweilige thematische und methodische Zugang variiert je nach Bildungsformat und den Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe.

 

Die Pastinaken sind seit 2013 aktiv. Das Kollektiv wurde im Nachgang des

Ausstellungsprojekts „Pastinaken raus!“ gegründet. Die AGFP hat diesen Prozess begleitet und unterstützt und ist seither Träger der Pastinaken.

Netzwerk

Die Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik e.V. koordiniert das Netzwerk demokratische Bildung.

Das Netzwerk ist angelegt als eine Plattform zur Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Bildungsakteuren in München. Absprachen und Verständigungsprozesse über die Grenzen und Zuständigkeiten der Bildungsressorts hinaus werden möglich. Das Ziel ist, die pädagogische Arbeit für Demokratie und gegen Rechtsextremismus zu stärken.

Im Netzwerk realisiert sich eine Zusammenarbeit zwischen staatlichen, kommunalen und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Es arbeiten Fach- und Führungskräfte aus den Arbeitsfeldern Schule, Jugendhilfe, Ausbildung, Erwachsenenbildung und Wissenschaft zusammen, sowie Institutionen und Organisationen, deren Schwerpunkt in der Arbeit gegen Rechtsextremismus liegt. Sie koordinieren die Planungen in ihrer Bildungsarbeit, tauschen Erfahrungen aus, verständigen sich über Standards und formulieren fachliche Stellungnahmen. Die Mitwirkenden werden regelmäßig über die politischen und ideologischen Entwicklungen und Aktivitäten in den extrem rechten Szenen informiert. Mehr...

Gefördert durch
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