Kachel Protest und Widerstand Seitenbind
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Protest ist nicht nur Demo. Wir alle haben in unserem Alltag mit Protest zu tun, erleben Ungerechtigkeiten und wollen etwas verändern – ob im Kleinen oder im Großen. Künstlerische und gestalterische Methoden sind eine Möglichkeit, Kritik zum Ausdruck zu bringen oder sich einfach nur mit einem Thema auf kreative Art auseinanderzusetzen.


Die DIY-Station war fast über den gesamten Festivalzeitraum im Rahmen des Nachmittagsprogramms für Jugendliche geöffnet und war mitten im Ausstellungsraum des Farbenladens positioniert. Dort boten sich vielfältige Möglichkeiten selbst kreativ tätig zu werden und darüber hinaus eigene Standpunkte und Protest auszudrücken.

Die Do-It-Yourself oder kurz DIY-Kultur stellte ursprünglich eine kapitalismuskritische Praxis dar, die sich heute jedoch großer Popularität und Verbreitung erfreut und damit auch sehr unterschiedlich verstanden und angewandt wird. Dinge selbst zu machen oder zu reparieren und sich die dazu nötigen Praktiken selbst anzueignen, sich im Kollektiv zu vernetzen und auszutauschen stellen jedoch weiterhin einen wichtigen Aspekt von Protest und Widerstand dar. Der Vorteil liegt hier vor allem in der Niedrigschwelligkeit und dem oft eher spielerischen und v.a. kreativen Zugang. Während des Bildungsfestivals konnten verschiedenste DIY-Produkte gestaltet werden, darunter u.a. Buttons, Plakate, Aufnäher, Taschen, Hocker und Zines.

Zur eigenen Buttonherstellung standen zwei Buttonmaschinen, jede Menge Zeitschriften, buntes Papier, Glitzerbögen, Scheren und Stifte bereit. Buttons sind beliebte Mittel die eigene Identität und z.T. auch Gruppenzugehörigkeiten über schnell erkennbare Symbole und Statements nach außen zu tragen. Soziale Bewegungen wie die Friedens- oder die Anti-Atom-Kraft-Bewegung, sowie subkulturelle Gruppen wie Punks und Hippies haben sich dieses Medium gern zu eigen gemacht. Aber auch in reaktionären und rechten Bewegungen wurden Buttons eingesetzt. Neben dieser klaren politische Mitteilungsfunktion von Buttons können sie jedoch auch rein künstlerische oder subjektiv relevante Botschaften transportieren, die für Außenstehende keine erkennbare Relevanz haben müssen. Die Button-Station wurde von den Jugendlichen viel genutzt. Neben Buttons, die die Jugendlichen für sich selbst fertigten, wurden auch viele Buttons zum Verschenken hergestellt, die an der Theke von Besucher*innen mitgenommen werden konnten.


Außerdem standen alle Materialien für das Ausschneiden von Stencils bereit. Stencils sind selbstangefertigte Schablonen, mit denen ein bestimmtes Motiv oder ein Schriftzug mehrfach und schnell auf verschiedenen Untergründen angebracht werden. So konnten die selbst angefertigten Stencils zum Beispiel an den Spraywänden ausprobiert oder auf Stofftaschen gedruckt werden. Oder sie wurden genutzt, um damit Plakate zu gestalten. Plakate kommen neben Transparenten i.d.R. bei jeder Demo zum Einsatz, um öffentlich Standpunkte kurz und prägnant auf den Punkt zu bringen. Bei unserem Bildungsfestival konnten die Jugendlichen entscheiden ob sie ihre Werke an den Wänden des Ausstellungsraumes für alle sichtbar anbringen wollten oder sie einfach zuhause zur Gestaltung des eigenen Zimmers etc. nutzen wollten.


Die Jute-Taschen sowie andere Stoffzuschnitte konnten auch mit Hilfe einer Nähmaschine kreativ bearbeitet werden. Denn auch über das Verzieren und Umgestalten der eigenen Kleidung bspw. mit Aufnähern, Nieten oder Stickereien kann Protest ausgedrückt werden.
Im Farbenladen standen Hocker aus Pappe, die während Veranstaltungen als Sitzgelegenheit dienten. Auch diese waren beliebte Objekte zur selbstgeleiteten Gestaltung mit Farbe, Spraydosen, Stencil, Aufklebern und vielem mehr. Während des Festivals waren sie so Teil des „Raum im Wandel“ Konzepts und trugen zur Gestaltung des gemeinsamen Raumes bei. Nach dem Festival konnten die Hocker von den Besucher*innen mitgenommen werden.


Außerdem gab es die Möglichkeit eigene kleine Zines zu gestalten. Das sind kleine Hefte, die ganz frei zu einem selbstgewählten Thema gestaltet werden können, indem Bilder, Wörter oder auch einzelne Buchstaben aus Zeitschriften ausgeschnitten und mit eigenen Zeichnungen, Geschriebenem etc. ergänzt und neu zusammenfügt werden. Diese DIY-Zeitschriften sind also ganz individuelle Sammlungen und Zusammenstellungen von Bildern und Texten in Collagenform und zeichnen sich v.a. durch ihre nicht-kommerzielle Verbreitung aus. Sie erscheinen daher oft nur in sehr kleiner Auflage oder werden gar nicht vervielfältigt. Verschiedene Gruppen und subkulturelle Bewegungen nutzen Zines um interne und speziell zugeschnittene Inhalte zu kommunizieren. Darüber wird auch der Zusammenhang zu Protest und Widerstand deutlich, denn Protestkollektive können über Zines Veranstaltungen und Wissen kommunizieren. In den 90ern spielten Zines beispielsweise in der Riot Grrrl* Bewegung eine große Rolle, die sie nutzte, um die damals stark männlich dominierte und oft sexistische Punkszene zu kritisieren und zu verändern. Auch heute werden Zines gerne von feministischen Gruppen als Ausdrucksmittel oder auch einfach zur eigenen Auseinandersetzung mit einem Thema benutzt. Prinzipiell sind bei der Gestaltung der Zines aber keine Grenzen gesetzt und die Kreativität kommt wie von selbst.


In jedem Fall gab es für alle die Möglichkeit ganz viel Verschiedenes auszuprobieren und am Ende etwas gestaltet zu haben, auf das man stolz sein konnte und das auch einfach Spaß gemacht hat. Vor allem auch wegen dem Austausch und der gegenseitigen Unterstützung während dem Basteln, Schneiden, Sprayen etc.